Fürth nennt sich seit 2007 „Wissenschaftsstadt". Sein Open-Data-Portal hat 19 Einträge — keiner davon ist echtes Open Data. 10 Kilometer weiter liegt Nürnberg. Platz 8.
Regensburg hat 155.000 Einwohner und liegt auf Platz 12. Fürth hat 135.000 und liegt auf Platz 57. Regensburg hat ein Open-Source-Dashboard, einen Digitalen Energie-Zwilling und 17 Millionen Euro BMI-Förderung. Fürth hat einen Chatbot namens Kleebot.
Fürth ist bei Mobilität überraschend stark — Platz 24 bundesweit. Aber bei IT, Energie und Gesellschaft fällt die Stadt ab. Und: Fürth hat als einzige Peer-Stadt kein Open-Data-Portal und keine veröffentlichte Digitalisierungsstrategie.
Moers hat 105.000 Einwohner und 470 echte Datensätze — Bevölkerung, Haushalt, Verkehr, Bußgelder, Musikschule. Fürth hat 135.000 Einwohner und ein Portal mit 19 Einträgen: 11 durchgereichte Landeskarten, 8 Verwaltungs-Geodaten. Kein Haushalt. Keine Statistik. Keine Umweltdaten.
* Hamburg: Nur 3% maschinenlesbar (CSV/XML/JSON)
100.000 Euro pro Jahr. Das kostet ein funktionierendes Open-Data-Portal laut Moers-Modell. Bei einem Fürther Gesamthaushalt von 684 Millionen Euro sind das 0,015 Prozent. Ein Rundungsfehler.
Schweden hat seit 1766 ein Informationsfreiheitsgesetz. Deutschland seit 2017. Und das deutsche Gesetz gilt nur für Bundesbehörden — nicht für Länder, nicht für Kommunen. Keine Stadt in Deutschland ist verpflichtet, auch nur einen einzigen Datensatz zu öffnen.
Finnland und Schweden — die Länder, die 1766 die Aktenöffentlichkeit erfunden haben — liegen im selben Open-Data-Cluster wie Deutschland. Digitaler Ruf ist nicht gleich digitale Realität. Kroatien, 2024 noch Beginner, führt 2025 das Ranking an.
222.275 Euro pro Jahr — das ist Fürths Digitalisierungsbudget seit dem Stadtratsbeschluss von 2017. Davon gehen 6,5 Stellen bezahlt. Für Open Data bleibt: nichts. Der Stadtrat hat nie über Open Data abgestimmt. Es gibt kein veröffentlichtes Digitalisierungs-Strategiepapier. Und Fürth hat sich auch nie für die BMI-Modellprojekte Smart Cities beworben — 73 Städte bekamen insgesamt 820 Millionen Euro. Fürth war nicht dabei.
Fürth hat 2017 beschlossen, sich zu digitalisieren. Neun Jahre später hat die Stadt ein Portal mit 19 Einträgen, von denen keiner echtes Open Data ist.
Regensburg — gleich groß — liegt 45 Plätze weiter vorne. Moers — kleiner — hat 470 echte Datensätze. Estland — ein ganzer Staat — hat 100 Prozent digitale Dienste.
Die Frage ist nicht, ob Fürth es kann. Die Frage ist, ob Fürth es will.
Der Autor dieses Datenstücks lebt in Fürth, arbeitet mit Daten und wäre gesprächsbereit.
→ Vorgeschichte: Wie man seine Stadt schön träumt (Datenstück, 2024)
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