Es gibt Sätze, die funktionieren wie ein Trigger. „Ich hab Corona" ist einer davon. 2020 bedeutete er: Quarantäne. Kontaktverfolgung. Angst. 2026 bedeutet er medizinisch etwas völlig anderes. Aber emotional? Da hängt er noch fest. Dieses Datenstück lässt nur die Zahlen sprechen.
5.700 Menschen gleichzeitig auf Intensiv — das waren drei voll belegte Krankenhäuser, nur mit COVID. Heute? Weniger als einer von hundert Atemwegspatienten hat COVID. RSV und Grippe sind relevanter. Die Intensivstation hat die Pandemie hinter sich gelassen.
Wir nicht.
71.331 Todesfälle in 2021. 25.768 in 2023. Minus 64 Prozent in zwei Jahren. Bei den Krankmeldungen: von Rang 2 auf Rang 14. Nicht verschwunden. Normalisiert.
Fast alle.
Hospitalisierungen sanken danach um 46%. Keine Explosion. Keine Katastrophe. Normalität.
„Unverantwortlich." „Durchseuchung." „Die Intensivstationen werden überlaufen." Nichts davon ist eingetreten.
Dänemark: Februar 2022. Schweden: Februar 2022. UK: April 2022. Deutschland: April 2023 — und noch immer Meldepflicht.
Ihre Intensivstationen sind nicht explodiert.
Hat Wissenschaft verständlich gemacht. Hat Millionen informiert. Hat Orientierung gegeben, als niemand Antworten hatte.
Wurde zur Institution. Jede Folge war Nachricht. Hat ungewollt die Dauerpräsenz befeuert, die er selbst als problematisch erkannte.
„Der Mann, der immer warnt." Wurde zum Synonym für Vorsicht. Hohe Bekanntheit, später Gesundheitsminister.
40 Auftritte in einem Jahr. Fast jede Woche. Die Grenze zwischen Information und Omnipräsenz war fließend.
221.000 Artikel in einer Woche — alle 2,7 Sekunden einer. Im März 2020 war Corona 41 Prozent der TV-Nachrichten. Die Tagesschau widmete 75% ihrer Sendezeit dem Thema. 2022 hatte die höchste Übersterblichkeit (74.000) — aber die Kameras waren schon in der Ukraine. Drosten erklärte am 27. Dezember 2022: „Die Pandemie ist für mich vorbei."
Beide sind wahr.
17 Milliarden Masken. Aneinandergelegt wären das 72 Erdumrundungen. Das Gewicht: 68.000 Tonnen — fast 7 Eiffeltürme aus Vliesstoff und Plastik. Dazu 756 Millionen Schnelltests, 149 Millionen PCR-Tests, 192 Millionen Impfdosen. Zusammen: rund 85.000 Tonnen medizinischer Plastikabfall. Die Corona-Warn-App? Abgeschaltet am 1. Mai 2023.
Vorsorge in einer Krise. Lieferketten waren unsicher. Besser zu viel als zu wenig. Die Masken waren da, als man sie brauchte.
3 Milliarden Masken unbenutzt verbrannt. Entsorgungskosten: 500 Millionen Euro. Aus Steuergeldern.
Nicht mit Glasfaser. Nicht mit Schienen. Mit Einwegmasken.
1,5 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Long COVID. 250 Milliarden Euro Kosten. Das ist kein Fußnoten-Thema.
Die Krankheit ist normal geworden. Für manche nicht. Das muss man aushalten können — beides gleichzeitig.
Ich hab Corona sollte klingen wie Ich hab Grippe. Nicht weil Corona harmlos ist. Sondern weil Grippe nie harmlos war — wir haben es nur nie so genannt.
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