Fürth hat vieles richtig gemacht. Schulden abgebaut, Hochschulen angesiedelt, sich als Wissenschaftsstadt positioniert. Aber beim Thema Open Data ist die Stadt unsichtbar — null Datensätze, kein Portal, keine Strategie. Dieses Datenstück zeigt, wie weit Fürth von dem entfernt ist, was eine Wissenschaftsstadt im Jahr 2026 sein könnte.
Eine Stadt mit 132.600 Einwohnern, 1.007 Jahre Geschichte und einem bemerkenswerten Comeback. Die Zahlen erzählen die Geschichte einer Stadt, die sich neu erfunden hat.
Fürth und Nürnberg sind so eng verflochten, dass man manchmal vergisst, wo die eine Stadt aufhört und die andere anfängt. 41.872 Menschen pendeln täglich auf der Achse — 7 Kilometer, zwei Städte, ein Arbeitsmarkt.
65% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus Fürth arbeiten woanders. Die Verflechtung ist Stärke und Abhängigkeit zugleich — Fürth funktioniert nicht ohne Nürnberg. Die Frage ist: Muss das so bleiben?
Was Fürth in den letzten 20 Jahren beim Haushalt geleistet hat, verdient Respekt. Von 2.800 € Pro-Kopf-Verschuldung auf 1.174 € — ein Rückgang um 58 Prozent. Das muss man erstmal hinkriegen.
Anspruch trifft auf Wirklichkeit
Seit 2007 nennt sich Fürth offiziell „Wissenschaftsstadt". Der Anlass: die Eröffnung des Uferstadt-Campus, die Ansiedlung des Fraunhofer IIS und des Rundfunkmuseums. Das klingt gut. Aber was bedeutet Wissenschaftsstadt im Jahr 2026?
In einer Wissenschaftsstadt, die den Namen verdient, wären Daten das Fundament. Forschungsdaten, Verwaltungsdaten, Umweltdaten — offen, maschinenlesbar, für jeden zugänglich. Fürth hat: nichts davon.
Open Data ist kein Luxus für Großstädte. Moers — 103.000 Einwohner, kleiner als Fürth — stellt seit 2013 Daten bereit. 800 Datensätze. LoRaWAN-Sensoren für Pegelstände. Baummonitoring. Luftqualität in Echtzeit. Budget: 100.000 € pro Jahr. Zwei Mitarbeiter.
Fürth ist nicht einfach nur hinten. Fürth ist unsichtbar. Der Balken ist nicht klein — er existiert nicht.
Wenn man den Blick weitet, wird es noch deutlicher. Städte wie Tallinn, Helsinki oder Zürich zeigen, was möglich ist. Deutschland insgesamt liegt beim EU Open Data Maturity Report unter dem Durchschnitt.
Nürnberg schafft es immerhin auf Platz ~20 im Bitkom-Ranking. Fürth taucht nicht auf — nicht in den Top 100.
Ein Score, sechs Dimensionen, eine ehrliche Standortbestimmung
Wie misst man, wie weit eine Stadt von Open Data entfernt ist? Wir haben sechs Dimensionen definiert und Fürth gegen Best Practice bewertet. Das Ergebnis ist ernüchternd — aber auch: ein klarer Fahrplan.
Der größte Hebel: Datensätze. Null ist nicht "wenig" — es ist die Abwesenheit von allem. Moers zeigt, dass schon 100.000 € Jahresbudget und zwei engagierte Mitarbeiter reichen, um eine Stadt auf die Open-Data-Landkarte zu setzen.
„Fürth ist seit fast 20 Jahren Wissenschaftsstadt — ein Bekenntnis zu Innovation, Forschung und Zukunft."
In 19 Jahren als „Wissenschaftsstadt" hat Fürth keinen einzigen offenen Datensatz veröffentlicht. Null. Das ist kein Rückstand — das ist Stillstand.
„Von 2.800 € auf 1.174 € — Fürth hat die Verschuldung um 58% gesenkt. Solider Haushalt, verantwortungsvolle Politik."
Schuldenabbau ist defensiv. Moers investiert 100.000 € pro Jahr in Open Data und hat damit 800 Datensätze geschaffen. Fürths Haushalt: 684 Mio. €. Das wären 0,015%.
Wissenschaftsstadt ist kein Ortsschild. Es ist ein Versprechen. Und Versprechen, die man 19 Jahre nicht einlöst, werden irgendwann zu Etikettenschwindel.
Fürth hat das Potenzial. Die Hochschulen, das Fraunhofer IIS, die Nähe zu Nürnberg. Was fehlt, ist nicht Geld — es ist Wille. Und vielleicht ein Blick nach Moers.
tkoerting/data-stories — Code, Daten, Methodik
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