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Laut gedacht März 2026 zum Blogpost

Wie man seine Stadt schön träumt

Fürth nennt sich Wissenschaftsstadt. Aber wenn man nach Daten sucht, findet man: nichts.

Fürth hat vieles richtig gemacht. Schulden abgebaut, Hochschulen angesiedelt, sich als Wissenschaftsstadt positioniert. Aber beim Thema Open Data ist die Stadt unsichtbar — null Datensätze, kein Portal, keine Strategie. Dieses Datenstück zeigt, wie weit Fürth von dem entfernt ist, was eine Wissenschaftsstadt im Jahr 2026 sein könnte.

Fürth in Zahlen

Eine Stadt mit 132.600 Einwohnern, 1.007 Jahre Geschichte und einem bemerkenswerten Comeback. Die Zahlen erzählen die Geschichte einer Stadt, die sich neu erfunden hat.

Pendlerstadt

Fürth und Nürnberg sind so eng verflochten, dass man manchmal vergisst, wo die eine Stadt aufhört und die andere anfängt. 41.872 Menschen pendeln täglich auf der Achse — 7 Kilometer, zwei Städte, ein Arbeitsmarkt.

Auspendler nach Nbg
Einpendler aus Nbg
Auspendlerquote
Pendlerströme Fürth ↔ Nürnberg
Bundesagentur für Arbeit / IHK Nürnberg

65% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus Fürth arbeiten woanders. Die Verflechtung ist Stärke und Abhängigkeit zugleich — Fürth funktioniert nicht ohne Nürnberg. Die Frage ist: Muss das so bleiben?

Die Erfolgsgeschichte: Schuldenabbau

Was Fürth in den letzten 20 Jahren beim Haushalt geleistet hat, verdient Respekt. Von 2.800 € Pro-Kopf-Verschuldung auf 1.174 € — ein Rückgang um 58 Prozent. Das muss man erstmal hinkriegen.

Pro-Kopf-Verschuldung Fürth (€)
Stadt Fürth / Bayerischer Rechnungshof
Pro Kopf 2024
Abbau seit 2005
Bayern-Schnitt

Wissenschaftsstadt?

Anspruch trifft auf Wirklichkeit

Der Titel und was dahinter steckt

Seit 2007 nennt sich Fürth offiziell „Wissenschaftsstadt". Der Anlass: die Eröffnung des Uferstadt-Campus, die Ansiedlung des Fraunhofer IIS und des Rundfunkmuseums. Das klingt gut. Aber was bedeutet Wissenschaftsstadt im Jahr 2026?

In einer Wissenschaftsstadt, die den Namen verdient, wären Daten das Fundament. Forschungsdaten, Verwaltungsdaten, Umweltdaten — offen, maschinenlesbar, für jeden zugänglich. Fürth hat: nichts davon.

Open Data: Fürth vs. der Rest

Open Data ist kein Luxus für Großstädte. Moers — 103.000 Einwohner, kleiner als Fürth — stellt seit 2013 Daten bereit. 800 Datensätze. LoRaWAN-Sensoren für Pegelstände. Baummonitoring. Luftqualität in Echtzeit. Budget: 100.000 € pro Jahr. Zwei Mitarbeiter.

Fürth
0
Datensätze · 132.600 EW
Kein Portal, keine Strategie
Moers
800
Datensätze · 103.000 EW
Vorreiter seit 2013
Open Data Datensätze pro 100.000 Einwohner
GovData.de / Offene Daten Portale der Städte

Fürth ist nicht einfach nur hinten. Fürth ist unsichtbar. Der Balken ist nicht klein — er existiert nicht.

Internationaler Benchmark

Wenn man den Blick weitet, wird es noch deutlicher. Städte wie Tallinn, Helsinki oder Zürich zeigen, was möglich ist. Deutschland insgesamt liegt beim EU Open Data Maturity Report unter dem Durchschnitt.

IMD Smart City Index 2024 — Score
IMD World Competitiveness Center
Deutschland Score
EU Open Data Maturity
EU-Durchschnitt
Open Data Maturity
Fürth Bitkom-Ranking
Smart City Index
Bitkom Smart City Index 2024 — Top 5 + Nürnberg
Bitkom e.V.

Nürnberg schafft es immerhin auf Platz ~20 im Bitkom-Ranking. Fürth taucht nicht auf — nicht in den Top 100.

Wie weit ist der Weg?

Ein Score, sechs Dimensionen, eine ehrliche Standortbestimmung

Open Data Readiness Score

Wie misst man, wie weit eine Stadt von Open Data entfernt ist? Wir haben sechs Dimensionen definiert und Fürth gegen Best Practice bewertet. Das Ergebnis ist ernüchternd — aber auch: ein klarer Fahrplan.

Fürth
von 100 Punkten
Best Practice
von 100 Punkten
Gap
Punkte Rückstand
Open Data Readiness — Fürth vs. Best Practice
6 Dimensionen, max. 100 Punkte
Fürth (25/100) Best Practice (92/100)

Die sechs Dimensionen im Detail

Der größte Hebel: Datensätze. Null ist nicht "wenig" — es ist die Abwesenheit von allem. Moers zeigt, dass schon 100.000 € Jahresbudget und zwei engagierte Mitarbeiter reichen, um eine Stadt auf die Open-Data-Landkarte zu setzen.


Dieselbe Zahl, zwei Geschichten

2007Wissenschaftsstadt seit
Pressemitteilung

„Fürth ist seit fast 20 Jahren Wissenschaftsstadt — ein Bekenntnis zu Innovation, Forschung und Zukunft."

Was die Zahl verschweigt

In 19 Jahren als „Wissenschaftsstadt" hat Fürth keinen einzigen offenen Datensatz veröffentlicht. Null. Das ist kein Rückstand — das ist Stillstand.

1.174 €Pro-Kopf-Verschuldung
Erfolgsgeschichte

„Von 2.800 € auf 1.174 € — Fürth hat die Verschuldung um 58% gesenkt. Solider Haushalt, verantwortungsvolle Politik."

Die andere Seite

Schuldenabbau ist defensiv. Moers investiert 100.000 € pro Jahr in Open Data und hat damit 800 Datensätze geschaffen. Fürths Haushalt: 684 Mio. €. Das wären 0,015%.


Wissenschaftsstadt ist kein Ortsschild. Es ist ein Versprechen. Und Versprechen, die man 19 Jahre nicht einlöst, werden irgendwann zu Etikettenschwindel.

Fürth hat das Potenzial. Die Hochschulen, das Fraunhofer IIS, die Nähe zu Nürnberg. Was fehlt, ist nicht Geld — es ist Wille. Und vielleicht ein Blick nach Moers.

Quellen & Daten

tkoerting/data-stories — Code, Daten, Methodik

Alle Daten wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und aufbereitet. Trotzdem: Fehler passieren, Zahlen veralten, Quellen verschwinden. Wer etwas findet, das nicht stimmt — oder eine bessere Quelle kennt — ich freue mich über eine Nachricht: ich@der-koerting.de

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