Der Kopf kennt keinen Urlaub.
Ein Selbstporträt in Zahlen zum Blogpost „Der Körting kann das ja schnell." Ehrlich gemessen. Mit Grenzen der Messung.
Der Blog lief. Aber leise.
Der Blog der-koerting.de ging im April 2020 online. Der erste Post war vermutlich kein Meisterwerk, aber er war da. Danach: 17 Posts in sechs Jahren. 20.093 Wörter in neunundsechzig Monaten. Das ist nicht viel.
Ich habe nicht systematisch geschrieben. Wenn ein Gedanke kam, der groß genug war, wurde er ein Post. Wenn nicht, eben nicht. Dazwischen lagen Monate, manchmal Jahre. Das war kein Problem. Ich hatte keine Reichweite zu bedienen, keinen Rhythmus zu halten, keine Erwartung zu erfüllen.
Bis Januar 2026. Da kam auch ein Post. Einer. Wie die Monate davor. Und dann kippte etwas.
Der stille Startschuss.
Drei Commits im Februar 2026. Alle gegen Ende des Monats. Der erste am 27. Februar.
Was nach außen nach normaler Ruhe aussah, war nach innen der Start einer kompletten Blog-Neukonzeption. Ein neues Design (Slate & Tonic), das Kadence-Theme von Grund auf neu aufgesetzt, self-hosted Fonts für DSGVO-Konformität, Dark Mode via JavaScript, Mobile responsive bis in die kleinste Kachel. Plus das Rebranding auf „Der Körting".
Diese Arbeit brauchte Wochen. Sie war öffentlich nicht sichtbar — kein neuer Post, kein Tweet, nichts. Aber sie bereitete einen Kanal vor, der danach gefüllt werden konnte. Die stille Zeit vor dem März war nicht Abwesenheit. Sie war Fundament.
Das macht einen ehrlichen Unterschied zum vereinfachten Bild „KI hat mich plötzlich produktiv gemacht". Ich habe die Beschleunigung selbst vorbereitet. Nicht bewusst als „ich werde jetzt der Schnelle" — sondern als „ich will einen Blog haben, der lesbar ist". Das eine wurde dann unmerklich zum anderen.
Im Urlaub entsteht das Repository.
Am 10. März 2026 bin ich mit Helga und Socke auf Usedom angekommen. Erstes Mal Ostsee. Ferienwohnung, Strandwanderungen, Hundespaziergänge, Ruhe.
Am Mittwoch, 12. März, habe ich auf einem Laptop in dieser Ferienwohnung ein neues Repository angelegt — data-stories. Heute liegen dort siebzehn Datenstücke, inklusive dieses hier. Es begann an diesem Mittwoch. Im Urlaub.
Fünfzehn Commits an diesem einen Tag. Zwölf davon im neuen Repo. Neun Posts in sieben Urlaubstagen, zweiundvierzig Commits gesamt. Der Samstag war der einzige Tag ohne Aktivität.
Das Wetter auf Usedom war im März okay. Kalt, grau, die Ostsee leer. Wir sind jeden Tag spazieren gegangen. Socke hat das Meer kennengelernt. Ich hatte im Kopf zehn Ideen parallel. Und Zeit. Und Stille.
März 2026 in Zahlen.
34.000 Wörter. 31 Posts. 110 Commits. 17 Datenstücke. 4 Kategorien. Ein Monat, der kaum vorbei war, bevor der April ähnlich laut begann.
Wann der Kopf arbeitet.
Die Heatmap zeigt etwas, das ich ohne Daten nicht gewusst hätte: Es gibt einen klaren Rhythmus.
Morgens zwischen neun und elf passiert das meiste im Blog-Repo. Abends um einundzwanzig Uhr eine zweite Welle. Dazwischen weniger, aber konstant. Nachts fast nichts. Vor sechs Uhr gar nichts. Ich schlafe also. Das ist die eine gute Nachricht.
Die Blogposts selbst erscheinen zu dreißig Prozent um zehn Uhr. Eine Gewohnheit, ohne dass ich sie bewusst geplant hätte. Zehn Uhr ist der Moment, in dem der Tag angekommen ist, aber noch Luft hat. Bevor etwas Konkretes anfängt, kann ein Post raus.
Das data-stories-Repo dagegen hat seinen Peak abends. Datenarbeit braucht mehr Stille, weniger Unterbrechung. Das passt zu meiner Tagesstruktur. Morgens Struktur, abends Tiefe.
Was hier nicht steht.
Dieses Datenstück ist Teil der Kurve. Es wurde Mitte April 2026 gebaut. Die Arbeit daran ist in keinem dieser Charts drin. Die Messung misst sich nicht mit.
Was nicht gemessen wurde: Zeit am Strand mit Socke. Gespräche mit Helga. Entscheidungen unter der Dusche. Offline-Denken. 40°C-Fieber-Phasen. Also genau die Dinge, die den Kopf wirklich zur Ruhe bringen. Davon gibt es hier kein Datum.
Warum trotzdem zeigen: Weil ich gerade an einem System arbeite, das solche Muster bei mir sichtbar machen soll — LIMBIC. Und weil jede Selbstmessung nur funktioniert, wenn man auch das Nicht-Messbare benennt. Transparenz beginnt mit dem, was man nicht sieht.
Bei Fragen und Nebenwirkungen frag nicht Deine KI. Frag Dich selbst. Frag Deine Lieben. Und achte auf die Signale. Offline und in Stille. Denn da hört man sich am lautesten.
Dieses Datenstück gehört zum Blogpost „Der Körting kann das ja schnell." Der Blogpost ist der Einstieg aus dem Bauch. Dieses Datenstück ist die empirische Antwort. Beides zusammen hoffentlich kein Urteil, sondern eine Einladung zum Nachdenken — bei Dir und bei mir.